Astronomische Sommernächte 2015 – Teil 1

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Urlaub am Meer, blauer Himmel und Sonnenschein tagsüber sowie ein klarer dunkler Sternenhimmel in der Nacht: Das geht auch gut in Deutschland, genauer gesagt auf Deutschlands größter Insel Rügen. Ich bin jedes Jahr dort und habe die Vielfalt der Insel, die Natur und den dunklen Sternhimmel schätzen gelernt. Da Rügen auch nachts so vielseitig ist, plante ich für diesen August eine Foto-Tour der etwas anderen Art: Ich wollte eine komplette Nacht an den verschiedensten Orten auf der Insel verbringen. So überlegte ich mir den Sonnenuntergang bzw. -aufgang ebenfalls in die Tour mit einzuplanen. Denn schließlich sind dies die schönsten Momente vor und nach einer Astronacht.
Da zur gleichen Zeit auch mein Cousin Andreas Urlaub auf der Insel machte (übrigens kein Zufall) und er ebenfalls Hobbyfotograf ist, freute ich mich auf Gesellschaft. Denn mit Personen, die das gleiche Hobby teilen, macht es gleich viel mehr Spaß.

Wir fingen also mit der Planung an: Für den Sonnenuntergang sollte ein Punkt auf der Westseite der Insel gewählt werden. Milchstraßenaufnahmen planten wir nach Empfehlung eines Freundes in einem Fischerdorf ganz im Norden. Den Sonnenaufgang schließlich wollten wir dann im Osten der Insel erleben, um die Sonne über der Ostsee aufgehen zu sehen. Gesagt, getan. Wir warteten auf eine Nacht mit guter Wetterprognose. Diese sollte auch nicht lange auf sich warten.
Nachdem wir das Auto mit Verpflegung, warmen Jacken und den Kameraequipments beluden haben, fuhren wir also zu unserer ersten Sation: Der Breetzer Bodden zum Sonnenuntergang. In der Tat gelangen uns dort schöne Aufnahmen. Wir haben uns also „warmgeknipst“ für den Rest unserer Tour.

Nach diesem relativ kurzen Foto-Intermezzo ging es rund 60 Kilometer in den Norden der Insel, zum Kap Arkona. Dort ganz in der Nähe liegt nämlich das kleine Fischerdorf Vitt, welches mir als Foto-Location empfohlen wurde. Ein Freund hat dieses Fischerdorf am Tage besucht und weckte in mir das Interesse, diesen Ort mal in der Nacht zu besuchen und dort die Milchstraße aufzunehmen. Aus diesem Grundist diese Fototour auch entstanden.

Dort angekommen sind wir auf enge verwinkelte Straßen, kleine Fischerhäuser, viel Ruhe und Dunkelheit gestoßen. Wir haben das Auto noch vor dem Dorf abgestellt, da wir uns nicht sicher waren, ob wir dort wenden konnten, geschweige denn von den Einwohnern eventuell weggeschickt worden wären.
Wir schnappten uns also die Kameras und liefen den Rest bis zum Wasser zu Fuß. Trotz der Dunkelheit konnte man den Charme dieses Dorfes erkennen und es wurde uns bewusst, warum dieses unter Denkmalschutz stehende Dorf am Tage auch viele Besucher erhält. Am Wasser angekommen, war ich überrascht von dem wirklich dunklen Sternhimmel und der deutlich erkennbaren Milchstraße, die sich über die Fischerboote spannte. Da mein Cousin sein 8mm-Fisheye-Objektiv mit dabei hatte, mussten wir nicht lange nach der geeigneten Stelle suchen, um Fotos zu machen, denn dieses Objektiv hat einen sehr großen Bildwinkel, was ebenfalls für die Milchstraße auch von Vorteil ist. Aus diesem Grund ist auf den Aufnahmen der Horizont gewölbt. Wir wechselten uns mit dem Objektiv ab und machten einige Aufnahmen mit den Fischerbooten im Vordergrund:

Während die Belichtungen liefen, beobachteten wir den Sternenhimmel mit bloßem Auge und sahen immer wieder Sternschnuppen vor der Milchstraße huschen. Allerdings schaffte es unglücklicherweise keine mit auf das Bild.
Von Richtung Norden schickte der Leuchtturm vom Kap Arkona seine immer wiederkehrenden Lichtkegel zu uns. Das machte die ganze Atmosphäre vor Ort noch etwas spezieller. Nach einer knappen Stunde machten wir uns wieder auf den Weg zum Auto, mit dem Gedanken im Hinterkopf, auch mal tagsüber hier vorbeizuschauen. Wir packten die Kameras wieder ein, tranken noch zum Aufwärmen einen warmen Tee, denn auch Augustnächte können empfindlich kühl werden, besonders am Wasser.
Danach machten wir uns auf zu unserer letzten Station. Diese sollte wie gesagt im Osten der Insel liegen, um einen schönen Blick zum Sonnenaufgang über der Ostsee zu gewährleisten. Geplant war von vornherein die Schaabe, eine ca. 12 Kilometer lange Landenge, die einen ebenso langen Strand in Richtung Osten aufweist. Den genauen Standpunkt wählten wir aber spontan und entschieden uns für das Ostseebad Juliusruh, das wir gegen 01:00 Uhr erreichten. Nachdem wir einen guten Platz für das Auto gefunden haben, haben wir uns den Strand unter dem noch immer fantastischen Sternenhimmel genauer angeguckt und sind zu dem Entschluss gekommen: Hier bleiben wir für den Rest der Nacht.
Während Andreas erst einmal im Auto ein wenig Schlaf finden wollte, blieb ich am Strand um noch ein paar Aufnahmen zu machen. Es hat richtig Spaß gemacht, an dem ruhigen Ort, wo sich sonst tagsüber zahlreiche Badegäste am Strand sonnen oder in der Ostsee baden, den Sternenhimmel zu fotografieren. Einzig das Rauschen der Ostsee war zu hören.
Zum Einen machte ich Aufnahmen der aufgehenden Plejaden mit dem Strand im Vordergrund, und zum Anderen von der Milchstraße, die zu diesem Zeitpunkt bereits hinter der Düne unterging. Der Leuchtturm vom Kap Arkona war auch bis Juliusruh noch zu sehen (siehe linker Bildrand):

Als ich beinahe eingeschlafen bin, habe ich mich kurz nach 03:00 Uhr auf den Weg zurück zum Auto gemacht und leistete Andreas noch ein wenig Schlaf-Gesellschaft. Nach einer Stunde Schlaf klingelte um 04:30 Uhr der Wecker und der erste müde Blick ging zum Himmel. Es war immer noch schön klar und schon ziemlich hell. Beste Bedingungen also für einen schönen Sonnenaufgang.
Gemeinsam sind wir wieder zum Strand runter und es empfing uns eine sehr schöne
Morgenstimmung. Man denkt, die Sonne könnte jeden Moment über dem Horizont aufgehen, dabei war noch genug Zeit um den richtigen Spot zu finden und die richtigen Kameraeinstellungen zu treffen. Aber als bei jedem alles passte, wurde Bild um Bild geschossen. Als Highlight machte ich mittels ND-Filter auch Langzeitbelichtungen, um das Wasser weich abbilden und so die Morgenstimmung noch interessanter machen zu können. So langsam wurden auch die Möwen munter und sorgten für ein akustisches Konzert.

Als die Sonne dann schon ein Stück höher stand und bereits eine angenehme Wärme aussandte, packten wir alles wieder ein.
Unseren körperlichen Zustand mochte man zwar als müde bezeichnen, jedoch waren wir glücklich, viele Bilder und Eindrücke gesammelt haben zu können. Und mit diesen Bildern und Eindrücken fuhren wir wieder los. Diese Tour hat sich gelohnt!

Tom Radziwill

ist begeisterter Landschafts- und Astrofotograf. Auf seinem Blog berichtet er von seinen Reisen, Erlebnissen und der Entstehung der Bilder. Sein Motto: "Jedes Bild hat seine eigene Geschichte."

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